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László Moholy-Nagy, Abstufungen (Variante zu Konstruktion C VIII), 1923, Lithografie

László Moholy-Nagy, Abstufungen

(Variante zu Konstruktion C VIII), 1923, Lithografie

Im Bauhaus-Archiv Berlin befindet sich eine der bedeutendsten Sammlungen von Werken des ungarischen Künstlers und Bauhauslehrers László Moholy-Nagy. Neben der zentralen Arbeit , dem „Licht-Raum-Modulator“, umfasst sie zahlreiche Gemälde, Zeichnungen, Fotografien und Filme sowie frühe Druckgrafiken, darunter die Lithografien der berühmten „Kestnermappe“ von 1923. Ermöglicht durch die Unterstützung des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands konnte nun mit der Lithografie „Abstufungen“ ein äußerst seltenes grafisches Einzelblatt hinzu erworben werden. Die Lithografie ist im Umfeld der „Kestnermappe“ entstanden und wurde wohl in derselben Hannoveraner Druckerei wie dieses druckgrafische Hauptwerk Moholy-Nagys hergestellt. Die Komposition aus einander horizontal und vertikal überlagernden Flächen in verschiedenen Grautönen unterscheidet sich von den Blättern der „Kestnermappe“ jedoch durch den Einsatz einer speziellen lithografischen Technik. Während Moholy-Nagy dort immer noch mit lithografischer Kreide zeichnete, sind für die „Abstufungen“ maschinell vorgefertigte Linien- und Punktraster aus der Reproduktionsgrafik verwendet. Das Blatt wirkt daher auf den ersten Blick wie eine technisch hergestellte Reproduktion – und genau dies dürfte die Absicht des Künstlers gewesen sein. Wie bei seinen legendären „Telefonbildern“ von 1922, bei denen er Farbwerte und Bildkoordinaten telefonisch an eine ausführende Emailfabrik übermittelte, so sollte auch in der Lithografie die individuelle Handschrift ausgeschaltet werden. In dem Blatt „Abstufungen“, das nur in ganz wenigen Exemplaren gedruckt wurde (lediglich zwei weitere Drucke sind bekannt), ist dies zum ersten Mal realisiert.

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T. Lux Feininger, Titel: Xanti Schawinsky spielt Saxophon, um 1928

T. Lux Feininger, Titel: Xanti Schawinsky spielt Saxophon, um 1928

T. Lux Feininger: Xanti Schawinsky spielt Saxophon, um 1928

T. Lux Feininger gehört zu den bekanntesten Fotografen am Bauhaus. Der jüngste Sohn des Bauhaus-Meisters Lyonel Feininger dokumentierte seit 1926 die Arbeit der Bühnenklasse und gestaltete mit seinen bewussten fotografischen Inszenierungen die mediale Wirkung des Bauhauses mit. Für die Bauhaus-Kapelle fertigte er eine Reihe von Werbefotos an, die ihr Selbstverständnis, keine der üblichen Tanzkapellen zu sein, hervorheben. Nach intensivem Üben von Klarinette und Banjo gelang es ihm, auch als Musiker Teil der begehrten Jazzkapelle zu werden.


Das Foto zeigt Xanti Schawinsky am Saxophon. Mit dem betonten Ausschnitt und der extremen Untersicht zählt es zu den markantesten Beispielen für die neue Art von Photographie, die für viele Bauhaus-Photos vorbildlich wurde.
T. Lux Feininger feierte im Juni dieses Jahres seinen 100. Geburtstag. Das Bauhaus-Archiv Berlin gratuliert und zeigt die Neuerwerbung bis 8. November 2010 in einer kleinen Hommage innerhalb der Sammlung.



Das erste Bauhaus-Plakat

Joost Schmidt, Plakat zur Bauhaus-Ausstellung in Weimar 1923
Joost Schmidt, Plakat zur Bauhaus-Ausstellung in Weimar 1923 (mit korrigierten Ausstellungsdaten), Farblithographie, Collage, 68,6 x 48 cm, Dauerleihgabe Bauhaus-Archiv GmbH
Joost Schmidt, Plakat zur Bauhaus-Ausstellung in Weimar 1923
Joost Schmidt, Plakat zur Bauhaus-Ausstellung in Weimar 1923, Farblithographie, 68,5 x 47,5 cm, Anonyme Spende, 1963

Im Sommer 1923 wurde in Weimar die erste große Bauhaus-Ausstellung gezeigt. Joost Schmidt, damals noch Studierender, später Lehrer am Bauhaus, lieferte den Entwurf für ein Ausstellungsplakat, mit dem im ganzen Land für dieses Ereignis geworben werden sollte. Dieses erste Plakat des Bauhauses, in lithographischer Technik in den Farben Rot und Schwarz gedruckt, entstand sicher in größerer Auflage, ist aber heute nur noch in ganz wenigen Exemplaren erhalten. Es zeigt bereits charakteristische Merkmale der "Neuen Typographie". Der aus verschiedenen Schriften gebildete Text ist so in eine abstrakte Komposition aus diagonal angeordneten Balken und Kreiselementen eingefügt, daß die wesentlichen Informationen - die Worte Bauhaus, Ausstellung und Weimar - unmittelbar ins Auge fallen. Die Schrägstellung erzeugt einen dynamischen Eindruck, dabei bildet das links oben eingefügte kreisrunde Bauhaus-Logo Oskar Schlemmers den Angelpunkt. Rechts oben, außerhalb der Komposition, aber auf sie ausgerichtet, hat Joost Schmidt selbstbewußt sein eigenes Signet angebracht. Erst nach dem Druck des Plakates zeigte sich, daß der Zeitplan für die Ausstellung nicht einzuhalten war: der Eröffnungstermin mußte kurzfristig auf den 15. August verschoben werden, das Ausstellungsende auf den 30. September. Joost Schmidt löste das Problem auf elegante Weise, indem er zwei Aufkleber mit den korrigierten Ausstellungsdaten auf rotem und weißem Papier drucken und in das fertige Plakat einkleben ließ - erstaunlicherweise ohne dessen Komposition zu stören. Im Gegenteil: Der Vergleich beider Versionen zeigt, daß der links unten eingefügte rote Streifen mit dem neuen Eröffnungsdatum ein neues Element lieferte, das dem Ganzen erst Halt gibt. Das ungewöhnlich farbfrische Plakat mit den einmontierten Korrekturen konnte 2006 von der Bauhaus-Archiv GmbH erworben werden, und ergänzt nun als Dauerleihgabe das bereits in der Sammlung des Bauhaus-Archivs vorhandene Plakat ohne die nachträglichen Terminänderungen. Wir sind somit in der glücklichen Lage, beide Varianten zeigen zu können.